Viele Jugendliche lassen sich heute mehr Zeit
Das BIÖG hat für seine zehnte Welle der Studie „Jugendsexualität“ bundesweit 5.855 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 25 Jahren befragt. Die Daten wurden 2025 erhoben. Nach Angaben des Instituts hat heute die Mehrheit erst mit 19 Jahren das erste Mal erlebt. Auch der erste Kuss findet im Schnitt später statt als noch 2019.
Das ist ein wichtiger Gegenpunkt zu dem Gefühl, Jugendliche würden durch soziale Medien zwangsläufig immer früher sexuell aktiv. Digitale Medien verändern zwar Kommunikation und Erwartungen. Die Zahlen zeigen aber nicht, dass Jugendliche deshalb immer früher intime Erfahrungen machen.
Der richtige Zeitpunkt lässt sich nicht an einer Zahl festmachen. Entscheidend ist, ob ein junger Mensch wirklich selbst bereit ist.
Fünf Fragen, die wichtiger sind als ein bestimmtes Alter
- Freiwilligkeit: Möchte ich das wirklich selbst oder tue ich es, weil Freunde, Partner oder Partnerin Druck machen?
- Sicherheit und Vertrauen: Fühle ich mich mit dieser Person sicher und respektiert?
- Grenzen: Kann ich jederzeit Nein sagen, auch wenn vorher etwas anderes vereinbart war?
- Schutz und Aufklärung: Können wir offen über Verhütung und Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen sprechen?
- Die Freiheit zu warten: Darf ich auch im letzten Moment sagen: „Ich möchte doch noch nicht“?
Was Eltern besser fragen können
Direkte Verhöre wie „Hast du schon mit jemandem geschlafen?“ führen bei vielen Jugendlichen eher dazu, dass die Tür zugeht. Hilfreicher sind Fragen, die Beziehung und Sicherheit in den Mittelpunkt stellen: „Fühlst du dich in deiner Beziehung wohl?“, „Kannst du Nein sagen?“ oder „Weißt du, dass du mit Fragen zu mir kommen kannst?“
Eltern müssen nicht jedes Detail aus dem Intimleben ihres Kindes kennen. Sie sollten aber deutlich machen, dass Fragen zu Körper, Verhütung, Grenzen und Gefühlen weder peinlich noch verboten sind.
Aufklärung bedeutet nicht Erlaubnis
Manche Eltern fürchten, ein offenes Gespräch könne Jugendliche erst auf Ideen bringen. Forschung zur Sexualaufklärung spricht eher dafür, dass Wissen und ansprechbare Erwachsene verantwortungsvolle Entscheidungen unterstützen. Aufklärung bedeutet nicht: „Mach es.“ Sie bedeutet: „Wenn dieses Thema für dich wichtig wird, sollst du informiert und geschützt entscheiden können.“
Gruppendruck ist kein guter Grund
Gerade in der Pubertät entsteht schnell der Eindruck, „alle anderen“ hätten bestimmte Erfahrungen längst gemacht. Die aktuellen Zahlen zeigen, wie wenig verlässlich solche Erzählungen sind. Viele Jugendliche warten. Und das ist genauso normal wie der Wunsch nach Nähe.
Niemand muss einen vermeintlichen Rückstand aufholen. Intimität ist kein Wettbewerb und keine Prüfung, die bis zu einem bestimmten Geburtstag bestanden werden muss.
Wenn Eltern unterschiedliche Werte haben
Familien haben verschiedene Vorstellungen von Beziehung, Religion, Sexualität und Partnerschaft. Eltern dürfen ihre Werte erklären. Gleichzeitig hilft es, zwischen eigenen Vorstellungen und dem Schutz des Jugendlichen zu unterscheiden. Beschämung, Drohungen oder absolute Gesprächsverbote erschweren es jungen Menschen, sich bei Unsicherheit oder Problemen Hilfe zu holen.
Auch rechtliche Grenzen gehören zur Aufklärung
Bei sexuellen Kontakten Minderjähriger gelten in Deutschland gesetzliche Schutzregeln, die unter anderem vom Alter, Altersunterschied, Abhängigkeitsverhältnissen, Druck und Ausnutzung abhängen. Dieser Beitrag ersetzt keine rechtliche Beratung. Bei konkreten Fragen sollten Eltern und Jugendliche eine geeignete Beratungsstelle oder offizielle Informationsangebote nutzen.
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